– queer-feministische und dekoloniale Perspektiven | 06LE42S-NM in SF-WiSe26
Seminarveranwortliche: Marion Mangelsdorf
Seminarbegleitung: Katharina Epple und Gigi Puczewski
wöchentlich: Fr 10–12 Uhr; 23.10.–27.11.
Blockveranstaltungen:
Fr 11.12. 10–14 Uhr Block 1
15.01. 10–16 Uhr Block 2 (Achtung längster Block!)
22.01. 10–14 Uhr Block 3
12.02. 10–14 Uhr Abschlusspräsentationen
In den Sozial- und Kulturwissenschaften sowie der Geschlechterforschung, besonders im Bereich der Feminist Science and Technology Studies (FSTS), wird dem Zusammenspiel von Materialitäten, Objekten und Artefakten zunehmend Bedeutung beigemessen. Die ‚Neuen Materialismen‘ analysieren das Wechselspiel zwischen Bedeutungsprozessen und materiellen Strukturen. Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern ebenso wie dekoloniale Strukturen werden in diesem Zusammenhang ebenso von Diskursen bestimmt betrachtet, wie auch von der Bedeutung, die wir Materialitäten – wie Körpern, Räumen oder auch (Alltags-)Gegenständen – zusprechen.
Im Theorie-Part des Seminars beschäftigen wir uns mit dem vitalen Materialismus von Jane Bennett und dem performativen Materialismus von Karen Barad. Anschließend thematisieren wir weitere Ansätze, insbesondere solche, die Verbindungen zwischen Neuen Materialismen und queer-feministischen sowie dekolonialen Perspektiven hervorheben. Im Rahmen dessen setzen wir uns auch explizit mit Ansätzen einer kritischen Weißseinsforschung im deutschsprachigen Raum auseinander.
Im Blockteil des Seminars diskutieren wir die Theorien im Rahmen unterschiedlicher Kontexte. Aufgrund der Kolonialgeschichte Deutschlands liegt der Schwerpunkt bei diesem Part auf einer Auseinandersetzung mit (post-)kolonialen Diskursen in Bezug auf afrikanische Länder sowie Erfahrungen afro-deutscher Menschen in diesem Land:
Im ersten Block analysieren wir Szenen aus der zweiteiligen Science-Fiction-Reihe Black Panther (2018 & 2022). Welche unterschiedliche Bedeutung sprechen die Hauptakteur:innen in dem SF dem Metall ‚Vibranium‘ und dem ‚herzförmigen Kraut‘ zu? Es sind dies (fiktionale) Materialitäten, die in dem Nationalstaat ‚Wakanda‘ – von dessen Existenz der SF handelt – entscheidend für das (Über-) Leben sind.
Im zweiten Block konzentrieren wir uns auf die Serie Schwarze Früchte (2024) und den Kurzfilm Hundefreund (2022). In diesem Zusammenhang stellen wir uns die Frage, welche Geschichten wir wie erzählen und welche Auswirkungen unsere Narrationen auf unseren Blick auf Körper und Artefakte haben. Dafür befassen wir uns mit den unterschiedlichen Formen der Selbstrepräsentation queerer und schwarzer Menschen sowie mit der Darstellung von Diskriminierungserfahrungen, wie sie in den genannten Filmen zu finden sind. Basierend auf der kritischen Weißseinsforschung untersuchen wir zudem, auf welche Weise in der Serie (subtile) Formen der Diskriminierung dargestellt werden. Dafür wenden wir uns gezielt ausgewählten Szenen zu und einem Interview mit Lamin Leroy Gibba, der bei den Filmen maßgeblich mitgewirkt hat.
Im dritten Block befassen wir uns mit der Alexander-Ecker-Schädelsammlung der Universität Freiburg (vgl. Koloniale Sammelwut – Teil 1 und Teil 2). Am 16. Juni 2026 fand in diesem Zusammenhang in der Universitätskirche und unter einem Baum nahe des Peterhofkellers die Aussegnung von sechs Ahnen der Maka aus Kamerun statt. Die eigentliche physische Rückführung in ihr Heimatland wurde auf Wunsch der kamerunischen Regierung jedoch vorerst verschoben (vgl. Aufarbeitung der Kolonialzeit: Uni Freiburg plant Rückführungen, SWR-Bericht vom 17. Juni 2026).
Im abschließenden Part können die Seminarteilnehmenden Themenschwerpunkte wählen sowie ihre Anregungen und Einsichten in einem Zine oder einer Posterpräsentation im Rahmen einer gemeinsam Ausstellung zur Diskussion stellen.
Anrechenbarkeit
Das Seminar kann für Studierende der Gender Studies unterschiedlich angerechnet werden. Die Studienleistung (SL) besteht in jedem Fall in der regelmäßigen Teilnahme am Seminar und der Vorstellung eines Zine oder Plakats im Rahmen der Ausstellung. Die Prüfungsleistungen sind wie folgt zu erbringen:
- 10 ECTS: Je nach thematischer Schwerpunktsetzung kann das Seminar entweder als Masterseminar zu Gender in Medizin, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften oder als Masterseminar zu Geschlechterkonstruktionen der Gender Studies angerechnet werden.
Die Prüfungsleistung (PL) besteht in einer schriftlichen Hausarbeit von 10–12 Seiten bei einfachem Zeilenabstand. - 8 ECTS als Vertiefungsseminar 2: Die Prüfungsleistung (PL) besteht in einer schriftlichen Hausarbeit von 8–10 Seiten bei einfachem Zeilenabstand.
- 6 ECTS als Vertiefungsseminar 1: Zusätzlich zum Ausstellungsbeitrag besteht die Studienleistung in der Erstellung eines 4-5-seitigen Reflexionsberichts oder Essays (je nach Absprache).
- 4 ECTS als Studienprojekt: Zusätzlich zum Ausstellungsbeitrag besteht die Studienleistung in der Erstellung eines 2-3-seitigen Reflexionsberichts.
Die Anrechnung sollte mit Marion Mangelsdorf abgestimmt werden. Hierfür kann gerne eine Sprechstunde gebucht werden: https://www.zag.uni-freiburg.de/gender-studies/personen/marion-mangelsdorf/sprechstunde/.
Studierende anderer Fächer sind ebenso eingeladen, das Seminar zu besuchen. Bitte ebenfalls mit Marion Mangelsdorf und den jeweiligen Fachvertreter:innen absprechen, mit wieviel ECTS und in welchem Studienformat es angerechnet werden kann. Bitte hierfür die Deklaration für fachfremde Studierende ausfüllen.
Seminarplan
Wöchentliche Theoriesitzungen
23.10. Einführung in das Thema und das Seminar
30.10. Vitaler Materialismus: Jane Bennett
06.11. Performativer Materialismus: Karen Barad
13.11. Queer-Feminismus und Neue Materialismen
20.11. Dekolonialismus und Neue Materialismen
27.11. Kritisches Weißsein und Neue Materialismen
Blockveranstaltungen
11.12. 10–14 Uhr Block 1: Neue Materialismen in Science Fiction
15.01. 10–16 Uhr Block 2: Kritisches Weißsein und Neue Materialismen
22.01. 10–14 Uhr Block 3: Postkolonialer Stadtrundgang Freiburg
Präsentation im Rahmen einer Ausstellung
12.02. 10–14 Uhr: Abschlusspräsentation in Form einer Ausstellung
von Plakaten und Zines
Literatur (erste Auswahl)
- Oguntoye, Katharina; Opitz, Katharina & Schultz, Dagmar (Hg.) (2020) Farbe Bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte, Berlin: Orlanda Frauenverlag.
- Barad, Karen (2012) Agentieller Realismus. Über die Bedeutung materiell-diskursiver Praktiken. Aus dem Englischen von Jürgen Schröder. Berlin: Suhrkamp.
- Bennett, Jane (2024) Lebhafte Materie, Berlin: Mathtes & Seitz.
- Bundeszentrale für politische Bildung (2021) The Comet – Afrofuturism 2.0, Bonn: bpb.
- Haritaworn, Jinthana (2005) Am Anfang war Audre Lorde. Weißsein und Machtvermeidung in der queeren Ursprungsgeschichte, in: Femina politica: Zeitschrift für feministische Politik-Wissenschaft, Jg. 14/1, 23–35.
- Hoppe, Katharina & Lemke, Thomas (2021) Neue Materialismen zur Einführung, Hamburg: Junius Verlag.
- Kilomba, Grada (2010) Plantation Memories – Episodes of everyday Racism, Münster: Unrast Verlag.
- Meyer, Michaela D. E. (2020) Black Panther, queer erasure, and intersectional representation in popular culture, Review of Communication, 20:3, 236–243.
- Ogette, Tupoka (2022) Und Jetzt Du – Zusammen gegen Rassismus, München: Penguin Verlag.
- Wienand, Kea & Brandes, Kerstin (2016) Deutschland (post)Kolonial? Visuelle Erinnerungskulturen und verwobene Geschichte(n) — Eine Einleitung, FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur Nr. 59, 5–23.
Medien
- Adichie, Chimamanda Ngozi (2010) The Danger of a Single Story-Talk.
- Coogler, Ryan (2018) Black Panther, Marvel-Studios.
- Coogler, Ryan (2022) Black Panther: Wakanda Forever, Marvel-Studios.
- Gibba, Lamin Leroy (2024) Schwarze Früchte, ARD.
- Kraume, Lars (2023) Der vermessene Mensch und Filmkritik von Canan Turan (2023) „Der vermessene Mensch“ – ein antirassistischer Film?
- Lihedheb, Maissa (2025) Hundefreund, Kurzfilm mit Lamin Leroy Gibba, MDR-Fernsehen.
- Turan, Canan & Gibba, Lamin Leroy (2024) Interview mit dem Creator, Headautor und Hauptdarsteller von „Schwarze Früchte“, film.macht.krtisch: #13: Lamin Leroy Gibba über Schwarze Früchte (und Hundefreund).
Beitragsfoto: © ARD Degeto/Jünglinge Film/Studio